Ein Ehepaar – ein Anwalt?

by Pfab Philipp / 06 Februar 2014 / No Comments

Viele Ehepaare wollen sich trennen, haben aber nicht vor, sich wirklich zu streiten. Sie wollen eine einvernehmliche Lösung mit gerechter Aufteilung von Rechten und Pflichten. Oftmals wollen sich solche Ehepaare von einem Anwalt beraten und auch später bei Gericht vertreten lassen. Doch geht das so einfach?

Außergerichtlich gilt: Ein Rechtsanwalt ist immer Parteivertreter und berät eine Partei einseitig. Allerdings kann ein Rechtsanwalt auch zwei Eheleute gemeinsam beraten, wenn er nicht vorher schon eine Partei beraten hat. Diese Beratung kann solange gehen, solange die wechselseitigen Interessen der Eheleute noch ausgeglichen werden können und sich nicht unüberwindbar widerstreiten.

Das Problem kommt dann später: Sollten sich die Eheleute während den Besprechungen auf einmal nicht mehr einig werden können und unüberwindbare Differenzen haben, so darf dieser Anwalt die Eheleute nicht weiter beraten und muss sein Mandat gegenüber beiden niederlegen. Er kann dann auch nicht einen von beiden weiter beraten. Beide Eheleute brauchen dann neue Anwälte. Dadurch entstehen im Ergebnis Kosten für drei Anwälte.

Auch wenn sich die Eheleute völlig einig waren und eine Scheidungsfolgenvereinbarung abschließen konnten, darf der beratende Anwalt in einem späteren Scheidungsverfahren keinen der Beteiligten vor Gericht vertreten. Auch hier müssen wieder andere Anwälte beauftragt werden. Auch dadurch können wieder weitere Kosten entstehen.

Ich persönlich halte grundsätzlich eine Beratung von Eheleuten für schwierig. Es ist nahezu ausgeschlossen, dass zu keinem Zeitpunkt einer Beratung und Besprechung widerläufige und im Ergebnis nicht ausgleichbare Interessen auftauchen. Gerade im Bereich Unterhalt – wo einer möglichst viel bekommen und der andere möglichst wenig zahlen will – ist dies fast programmiert. Die Kostenfrage ist dann noch ein weiteres Argument, das gegen eine gemeinsame Beratung spricht.

About the author:

RA Pfab ist seit 2002 Rechtsanwalt.
Als Fachanwalt für Familienrecht berät er vor allem zu Unterhalt und Vermögensauseinandersetzungen und Scheidungen.
Mit dem Fachanwaltskurs für Erbrecht ist er für Beratungen zum Erben gerüstet: vor einem Erbfall bei Gestaltungen (Testament) und nach einem Erbfall bei der sinnvollen Regelung des Nachlasses.