Der Aufstockungsunterhalt ist in der Praxis neben dem Betreuungsunterhalt der wesentlichen Tatbestand für nachehelichen Unterhalt. Diesen Unterhalt kann verlangen, wer zwar eine angemessene Erwerbstätigkeit ausübt, dennoch aber dadurch den vollen Unterhalt nach den ehelichen Lebensverhältnissen nicht erwirtschaftet. Dies ist in der Regel bei Doppelverdienern der Fall, wenn zwischen beiden ein Einkommensgefälle herrscht. Vom Sinn her widerspricht der Aufstockungsunterhalt eigentlich dem Grundsatz der Eigenverantwortung. Er ergibt sich vielmehr als Ausfluss einer nachehelichen Solidarität zwischen Ehegatten, die eben auch über die Scheidung hinaus fortwirkt. Diese Solidarität ist aber eben im Hinblick auf den Grundsatz der Eigenverantwortung zu sehen. Damit scheidet der Aufstockungsunterhalt aus, wenn zwischen den Einkommen der Ehegatten nur geringfügige Einkommensdifferenzen bestehen. In der Regel muss daher ein Aufstockungsunterhalt mehr als 10 % des Nettoeinkommens des Bedürftigen erreichen. Wesentlich gerade beim Aufstockungsunterhalt ist aber die Möglichkeit der zeitlichen Befristung und der höhenmäßigen Begrenzung des Anspruchs.