Die Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen ist im Unterhaltsrecht zu prüfen. Nur, wer Unterhalt auch leisten kann, ohne seinen eigenen Lebensbedarf zu gefährden, ist im Wortsinne leistungsfähig. Dieser Anteil, der für den eigenen Lebensbedarf erforderlich ist, heißt auch Selbstbehalt und wir in Euro ausgedrückt – z. B. gilt ein Selbstbehalt eines erwerbstätigen Elternteils gegenüber seinem minderjährigen Kind in Höhe von € 950,00. Damit ist zunächst zu klären, welches Einkommen der Unterhaltspflichtige hat. Hat er am Ende weniger als – im Beispiel – € 950,00 bedeutet dies aber nicht zugleich, dass er nichts zu zahlen hat. Es ist vielmehr zu prüfen, welche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit gestellt werden. So gilt gegenüber minderjährigen Kindern eine erhöhte Leistungsverpflichtung. Damit müssen alle verfügbaren Mittel zur Zahlung des Unterhalts eingesetzt werden. Es müssen dazu auch Tätigkeiten außerhalb des Ausbildungsniveaus oder auch Nebenbeschäftigungen aufgenommen und etwaig Überstunden geleistet werden. Eine Leistungsunfähigkeit kann sich aber z. B. bei Arbeitsplatzverlust ergeben. Dann ist aber zu prüfen, ob der Arbeitsplatzverlust verschuldet oder unverschuldet war. Wenn dem Unterhaltspflichtigen hier ein Vorwurf gemacht werden kann, so kommt der Ansatz eines fiktiven Einkommens in Betracht. Dieses Einkommen kann dazu führen, dass dann eine Leistungsfähigkeit wieder gegeben ist.