Die Dauer eines Scheidungsverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab: zum einen von den zu klärenden Ansprüchen, zum anderen von der Taktik des jeweiligen Rechtsanwalts. Bei einem normalen Scheidungsverfahren müssen Versorgungsausgleichsansprüche berechnet werden. Die Berechnung dauert üblicherweise zwischen vier Wochen und drei Monaten. Liegen die Berechnungen vor, kann ein Scheidungstermin bestimt werden – das dauert dann zusammen um die sechs Monate. Haben die Eheleute die Durchführung des Versorgungsausgleichs ausgeschlossen, entfällt die Berechnung. Das kann die Dauer auf ca. 6 Wochen verkürzen. Soviel zu den kurzen Verfahren. In einem Scheidungsverfahren kann auch beantragt werden, über Unterhalt oder Zugewinn zu entscheiden. In diesem Fall müssen auch diese Berechnungen vor Ausspruch der Scheidung vorliegen – und das kann dauern. Die Berechnung beginnt damit, den Gegner erst einmal zur Auskunft aufzufordern. Dieser erteilt Auskunft – die ist aber nicht vollständig, dann muss man nachfordern; oder besser, er erteilt gar keine Auskunft, dann muss man die Auskunft einklagen und im Zweifel vollstrecken – auch das dauert wieder. Im Zugewinnbereich ist oftmals die Bewertung einer Immobilie durch einen Sachverständigen erforderlich – auch das dauert – und zwar nicht zu knapp – ein Jahr ist da schnell vorbei. Also: hier beginnt die Taktik, wann wo wieviel verzögert wird oder eben nicht verzögert wird. Was kann es aber für Sinn machen, die Scheidung zu verzögern? Manchmal ist der Trennungsunterhalt höher als der Nacheheliche Unterhalt – dann soll ersterer länger bezahlt werden – eben bis zur Scheidung. Manchmal soll eine Verzögerung den anderen mürbe machen, weil er vielleicht den Druck eines Verfahrens nicht aushält und dann lieber noch einen schlechten Vergleich eingeht. Dies alles ist für die Dauer des Verfahrens entscheidend – eine genaue Dauer kann also nie vorhergesehen werden.