Eine Ehe kann nur dann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Die Ehe ist gescheitert – so das Gesetz, wenn die Lebensgemeinschaft der Eheleute nicht mehr besteht und auch nicht erwartet werden kann, dass die Eheleute diese Gemeinschaft wieder herstellen. Im Ergebnis muss nun der Richter feststellen, ob dies zutrifft. Das Gesetz will aber nicht, dass der Richter bei Hempels unter dem Sofa nachschaut, daher gibt es zwei unwiderlegbare Vermutungen, die das Gesetz für das Scheitern einer Ehe aufstellt. Die Ehe ist demnach gescheitert, wenn die Eheleute in Jahr getrennt leben und beide die Scheidung wollen – daher kommt auch der Begriff des Trennungsjahres. Die Ehe ist auch gescheitert, wenn die Eheleute seit drei Jahren getrennt leben. In diesen Fällen muss daher der Richter nur die Zeitdauer der Trennung feststellen und ggf. beide fragen, ob sie die Scheidung wollen – er muss dann nirgendwo unter das Sofa schauen. Die Ehe kann aber auch sonst gescheitert sein – der Richter muss das dann aber konkret feststellen. Leben die Eheleute noch nicht ein Jahr getrennt, muss der Richter zusätzlich feststellen, dass ein Festhalten an der Ehe bis zum Ablauf des Trennungsjahres für den anderen eine besondere Härte ist. Denkbar wäre dies z. B. bei Gewalttätigkeiten in der Ehe oder Morddrohungen (das sind immer ganz extreme Fälle). Leben die Eheleute aber ein Jahr getrennt und stimmt der andere der Scheidung nicht zu, so muss ebenso das Scheitern der Ehe konkret festgestellt werden. Dies ist z. B. der Fall, wenn ein Ehegatte darlegen kann, dass er die unumstößliche Absicht zur Scheidung hat und bereits dauerhaft mit einem neuen Partner zusammen lebt.