Die Schlüsselgewalt hat natürlich nichts mit Einbrechern zu tun. Sie ist aber dennoch wichtig, weil sie Wirkungen hat, die in der Regel keiner wirklich kennt. Hintergrund ist hier folgender: Wenn zwei Eheleute heiraten heißt das dennoch, dass beide Personen finanziell erst einmal selbständig bleiben. Das heißt, dass der eine weiter sein Vermögen hat und der andere seines – da gibt es keine automatische Teilung oder Teilhabe. Das bedeutet aber auch, dass der eine für Schulden des anderen auch nicht automatisch mithaftet. Das liegt einfach daran, weil der ein den anderen nicht automatisch in einem Vertrag mitverpflichten kann. Sonst könnte ja jeder Verträge für einen anderen abschließen, auch wenn der andere davon nichts weiß.

Sobald aber zwei Eheleute zusammen leben, wobei der eine arbeitet und der andere den Haushalt führt, ergibt sich hier ein Problem. Wenn der haushaltsführende Ehegatte, der in unserem Fall kein eigenes Geld hat, etwas für den gemeinsamen Haushalt kaufen möchte, z. B. Einrichtungsgegenstände, kann er das nicht, weil er kein Geld hat. Daher springt hier das Gesetz ein und sagt, dass für die Geschäfte zur Deckung des Lebensbedarfes von Ehegatten, der eine Ehegatte auch den anderen Ehegatten in einem Vertrag mitverpflichten kann. D. h. wenn der Ehegatte, der den Haushalt führt (damit den Schlüssel hat – daher also Schlüsselgewalt) eine neue Tischlampe für zu Hause bestellt, muss auch der andere Ehegatte dafür zahlen.

Diese Möglichkeit zur Mitverpflichtung endet, wenn die Ehegatten getrennt leben. Sie hat zudem eine Grenze: es muss sich um ein Geschäft handeln, das den individuell angemessenen Bedarf der Familie deckt – das kann sein: die Anschaffung von Lebensmitteln oder Heizmaterial; die Grenze überschritten wäre wohl bei einem Bauvertrag über ein Wohnhaus oder bei der Buchung einer unangemessen teueren Familienpauschalreise.