Ein Unterhaltsanspruch kann verwirkt sein, wenn der Unterhaltsberechtigte mit einem neuen Partner in einer verfestigten Lebensgemeinschaft zusammen lebt (also schlicht: einen Neuen / eine Neue hat). Dies ist in der Praxis der häufigste Verwirkungsgrund und kann bei Trennungsunterhalt wie auch bei nachehelichem Unterhalt eingreifen. Auf ein Fehlverhalten kommt es hierbei nicht an. Der Grund der Verwirkung ist allein darin zu sehen, dass eine weitere Unterhaltsleistung bei den veränderten Lebensverhältnissen unzumutbar ist. Im Gesetz ist jedoch nicht festgelegt, was eine verfestigte Lebensgemeinschaft sein soll. Die Rechtsprechung unterscheidet zwei (sich allerdings oft überschneidende) Fallgruppen. Zum Einen die Unterhaltsgemeinschaft: diese soll vorliegen, wenn der Bedürftige mit dem neuen Partner dauerhaft und in fester sozialer Verbindung zusammen lebt, beide gemeinsam wirtschaften und der haushaltsführende Ehegatte vom anderen unterhalten wird (z. B. bei Kauf eines gemeinsamen Eigenheims). Zum Anderen die eheähnliche Gemeinschaft. Dies soll vorliegen, wenn der Bedürftige zu einem neuen Partner ein auf Dauer angelegtes Verhältnis aufnimmt und nach außen hin das neue Zusammenleben quasi an die Stelle einer Ehe getreten ist. Die Rechtsprechung nimmt hierbei eine Mindestdauer von zwei bis drei Jahren an, bis ein verlässlich auf Dauer angelegtes Verhältnis vorliegt. Entscheidend ist das entstehende Bild in der Öffentlichkeit: Zeitdauer der gemeinsam verbrachten Zeit, Familienbesuche, verbrachte Feiertage oder Urlaube. Derjenige, der sich auf diesen Verwirkungsgrund beruft muss daher die Tatsachen, die für ein gemeinsames Auftreten in der Öffentlichkeit sprechen, darlegen und beweisen. In der Praxis kommt es hier zu unschönen Szenen: wenn gemeinsame Kinder oder Familienangehörige als Zeugen auftreten sollen oder ähnlichem.