Bevor ein Unterhaltsanspruch zugesprochen wird, ist immer vorher zu prüfen, ob der Unterhaltsberechtigte nicht zunächst sein Vermögen (und nicht nur sein Einkommen) für die Leistung von Unterhalt einsetzen muss. Die Vermögensverwertung meint damit den Einsatz des Vermögensstammes selbst und nicht nur die Verwendung der Nutzungen (also Aktiendepot statt nur Dividenden). Die Verwertung des Vermögens trifft den jeweiligen Unterhaltsberechtigten natürlich hart, weil nach der Verwertung das Vermögen naturgemäß weg oder zumindest stark verringert ist – allerdings ist auch beim Unterhaltspflichtigen zu prüfen, ob dieser sein Vermögen für den Unterhalt einsetzen muss. Es ist daher zu unterscheiden wer Unterhaltsgläubiger und wer Unterhaltsschuldner ist. Ein minderjähriges Kind muss z. B. sein Vermögen nicht verwerten; die Eltern müssen es hingegen, zumindest um den Mindestunterhalt des Kindes zu decken. Beim sonstigen Verwandtenunterhalt muss der Berechtigte, von einem Schonvermögen abgesehen, sein Vermögen einsetzen; der Pflichtige muss es allerdings ebenfalls – es sei denn, er benötigt das Vermögen für seinen Unterhalt oder die Verwertung des Vermögens ist unwirtschaftlich. Beim nachehelichen Unterhalt muss der Bedürftige sein Vermögen nicht verwerten, wenn dies unwirtschaftlich oder unbillig wäre; für den Pflichtige gilt das gleiche. Beim Trennungsunterhalt muss – sowohl vom Berechtigten, als auch vom Pflichtigen – Vermögen nur in Ausnahmefällen verwertet werden. Beim Unterhalt für die Mutter des gemeinsamen nichtehelichen Kindes gilt für die Berechtigte, dass ihr ein Schonvermögen zu belassen ist; beim Pflichtigen besteht wohl in gleichem Maß eine Verpflichtung über Schonvermögen hinausgehendes Vermögen zu verwerten.