Zurück zur Übersicht

 

Hier geht es um:

Trennung
Was ist getrennt leben?
Warum ist das wichtig?
Muss ich die Trennung beim Standesamt anmelden?
Wie kann ich die Trennung beweisen?
Was ist das Trennungsjahr, wann kann ich die Scheidung
einreichen?
Gibt es Ausnahmen vom Trennungsjahr
Schummelei beim Trennungsjahr?
Muss ich mich nach einer Trennung auch scheiden
lassen?

 

Trennung

Mit der Trennung beginnt oftmals das Ende einer Ehe. Eine Trennung ist nicht immer von Beiden gewollt. Oftmals teilt der eine Ehegatte dem anderen mit, dass er sich nunmehr trennen will.

Diese Trennung ist ganz besonders einschneidend. Es ändert sich alles. Wir geben Ihnen daher gerne Rat zu den wichtigsten Themen. PS: Sie haben konkrete Fragen und wollen schnelle Antworten? Als Fachanwalt für Familienrecht in München stehe ich Ihnen jederzeit gern persönlich zur Verfügung.

 

Trennung: Was ist Getrenntleben?

Trennung von Tisch und Bett. So sagte man früher, etwas wortkarg. Für eine Trennung braucht es genauer gesprochen zweierlei: die Aufhebung der häuslichen Wirtschaftsgemeinschaft (ein objektiver Grund) und die Tatsache, dass ein Ehegatte die Lebensgemeinschaft nicht weiterführen will (ein subjektiver Grund).

Die Aufhebung der Wirtschaftsgemeinschaft bedeutet, dass jeder für sich selbst sorgen muss. Eine Wirtschaftsgemeinschaft besteht sicher dann nicht mehr, wenn einer der Ehegatten auszieht.

Auch innerhalb einer Wohnung können Ehegatten getrennt leben. Dann muss aber beachtet werden, dass

  • jeder für sich selbst einkauft,
  • jeder für sich selbst kocht,
  • jeder für sich selbst isst und
  •  jeder getrennte Wege geht.

Dies bedeutet nicht, dass man sich nicht mehr verstehen darf oder sich streiten muss. Die Lebensgemeinschaft muss aber beendet sein.

Es reicht aber auch nicht aus, wenn alleine diese Wirtschaftsgemeinschaft nicht mehr besteht. Es muss auch ein Beendigen wollen der Lebensgemeinschaft dazukommen. Ein Ehegatte muss dem anderen also sagen, dass der ab sofort getrennt leben möchte.

 

Geltendmachung des Getrenntlebens: Trennungsjahr

Wer sich später scheiden lassen will, muss ein Trennungsjahr einhalten. Dieses beginnt naturgemäß erst mit der Trennung. Im Zweifelsfall muss derjenige, der den Scheidungsantrag stellt, vor Gericht beweisen, dass er ab einem gewissen Datum getrennt gelebt hat. Nur dann kann die Scheidung ausgesprochen werden.

 

Muss ich die Trennung beim Standesamt anmelden?

Nein, eine Trennung muss keiner irgendwo anmelden. Es geht schließlich keinen etwas an, ob Ehegatten nun getrennt leben oder nicht.

In der Regel wird ein Ehegatte jedoch aus der Ehewohnung ausziehen. Dadurch ist in der Regel der Beweis einfach zu führen, dass eine Trennung stattgefunden hat.

Die Trennung muss also tatsächlich bestehen. Alleine eine Ummeldung bei der Meldebehörde für den Wohnsitz reicht dazu nicht aus. Auf der anderen Seite ist auch eine fehlende Ummeldung kein Nachweis dafür, dass eine Trennung nicht stattgefunden hat.

 

Wie kann ich die Trennung beweisen?

Die Trennung beweisen muss derjenige, der die Scheidung beantragen will nur dann, wenn sich der andere Ehegatte dagegen sträubt, also die Trennung bestreitet. In der Regel nehmen Gericht objektive Tatsachen, wie z.B. Auszug oder Umzug als ausreichend hin.

Allerdings beweist auch der Auszug alleine nicht, dass eine Trennungsabsicht vorlag. Wer ganz sichergehen will, beauftragt gerne uns. Wir schreiben den vormaligen Ehepartner an, dass unser Mandant / unsere Mandantin ab sofort vom anderen Ehepartner getrennt leben will. Damit ist ein Datum dokumentiert und wir sorgen für den beweissicheren Zugang bei der anderen Seite.

 

Was ist das Trennungsjahr? Ab wann kann ich die Scheidung einreichen?

Im deutschen Recht gilt grundsätzlich, dass ein Jahr nach der Trennung abgewartet werden muss, bevor die Scheidung eingereicht werden kann. Ein Jahr bedeutet dabei tatsächlich auf den Tag genau zwölf Monate.

Wer sich also im März 2013 getrennt hat, kann im März 2014 die Scheidung einreichen.

Das Trennungsjahr muss beim Gerichtstermin abgelaufen sein. Da ein Scheidungsverfahren eine gewisse Zeit dauert, ist es auch möglich, einen Scheidungsantrag etwas verfrüht, also z.B. nach zehn Monaten, zu stellen. In der Regel dauert das Scheidungsverfahren über zwei Monate, so dass auch zum Zeitpunkt des Gerichtstermins das Trennungsjahr dann abgelaufen ist.

 

Gibt es Ausnahme vom Trennungsjahr?

Das Trennungsjahr muss nicht immer eingehalten werden.

Dies ist z.B. bei einer Härtefallscheidung der Fall. Diese liegt dann vor, wenn die Fortsetzung der Ehe – und damit das Abwarten des Trennungsjahres – für den Antragsteller eine unzumutbare Härte darstellen würde.

Eine unzumutbare Härte liegt, wie die Rechtsprechung entschieden hat, z.B. vor bei:

  • Gewalttätigkeiten gegen den anderen Ehegatten,
  • starker Alkoholmissbrauch,
  • die Ehefrau ist von einem Dritten schwanger,
  • ein Ehegatte äußert massive Morddrohungen gegen den anderen Ehegatten.

 

Es muss für die Härtefallscheidung also ein ernster Grund vorliegen. Dann ist der Scheidungsantrag (sofort nach Trennung) möglich.

Weitere Ausnahmen vom Einhalten des Trennungsjahres gibt es im internationalen Kontext. Bei sog. internationalen Scheidungen kann entweder ein ausländisches Recht anzuwenden sein oder die Scheidung im Ausland durchgeführt werden. Nicht jede Rechtsordnung sieht das Einhalten eines Trennungsjahres vor.

Hierzu beraten wir Sie gerne persönlich im Detail.

 

Falschangabe beim Trennungsjahr?

Manche Ehepartner sind sich einig, dass sie sich schnell scheiden lassen wollen. Viele datieren dazu das Datum der Trennung einfach um ein Jahr zurück. In diesem Fall könnte dann der Scheidungsantrag sofort gestellt werden.

Doch Vorsicht: das Getrenntleben von Ehegatten hat auch eine steuerliche Komponente. Nur wenn Ehegatten in einem Jahr zusammengelebt haben, können sie sich gemeinsam steuerlich veranlagen. Dies spart in der Regel Einkommenssteuer.

Die gemeinsame Veranlagung geht auch noch im Jahr der Trennung. Im Jahr danach aber nicht mehr.

Die Ehegatten können also schlecht vor dem Finanzamt behaupten, sie hätten noch zusammengelebt (um eine gemeinsame günstige steuerliche Veranlagung zu erlangen), beim Familiengericht aber behaupten, dass sie sich längt getrennt hätten.

 

Muss ich mich nach einer Trennung scheiden lassen?

Wer getrennt lebt, kann sich scheiden lassen, muss es aber nicht.

Das Für und Wider einer Scheidung ist immer gut abzuwägen.

Abgesehen von emotionalen Belangen ergeben sich durch Trennung und/oder Scheidung verschiedene rechtliche Auswirkungen. Im Folgenden haben wir für Sie die Vorteile und Nachteile einer Trennung ohne Scheidung zusammengefasst. Die Vorteile für einen Ehegatten sind manchmal jedoch die Nachteile für den anderen Ehegatten.

 

Vorteile einer Trennung ohne Scheidung

  • Krankenkasse: die Familienversicherung bei der gesetzlichen Krankenkasse bleibt bestehen, wenn sich die Ehegatten trennen. Die Mitversicherung endet erst mit dem Abschluss des Scheidungsverfahrens.
  • Erbrecht: jeder Ehegatte hat ein gesetzliches Erbrecht gegenüber dem Anderen (siehe hierzu unsere Ausführungen zum Erbrecht). Dieses Erbrecht bleibt bei einer Trennung weiterhin bestehen. Das Erbrecht endet aber mit der richtigen Einreichung des Scheidungsantrages.

 

Nachteile einer Trennung ohne Scheidung

  •  Erbrecht: wenn die Scheidung noch nicht beantragt ist, hat der andere Ehegatte ein Erbrecht. Dieses erlischt erst mit Einreichung des richtigen Scheidungsantrages. Der Ehegatte, der also nicht will, dass der andere Ehegatte etwas erbt, müsste die Scheidung einreichen.
  • Wiederheirat: wer nur getrennt lebt, aber nicht geschieden ist, kann nicht wieder heiraten. Viele unserer Mandanten wollen dies zunächst auch nicht. Manchmal drängt jedoch später die Zeit, so dass dann ein hastiges Scheidungsverfahren durchgeführt werden müsste (was aber manchmal vielleicht zu lange dauert).
  •  Trennungsunterhalt: wenn Ehegatten getrennt leben, kann der weniger Verdienende vom Anderen in der Regel Trennungsunterhalt verlangen. Dieser Trennungsunterhalt geht grundsätzlich bis zur Scheidung. Damit ist auch nach Jahren noch Trennungsunterhalt zu zahlen.

 

Eine Vereinbarung über den Trennungsunterhalt ist, so sagt das Gesetz, schlicht nicht möglich. Wer also lange getrennt lebt, muss lange damit rechnen, dass der Andere Trennungsunterhalt fordert.

 

  • Wenn nachehelicher Unterhalt geschuldet ist, hängt die Dauer des Nachehelichenunterhaltes auch von der Dauer der Ehezeit ab. Je länger eine Ehe dauert, desto länger ist in der Regel auch der Nachehelichenunterhalt zu zahlen.
  • Rentenansprüche: bei einer Scheidung sind Rentenansprüche grundsätzlich auszugleichen (siehe unser Artikel zum Versorgungsausgleich). Die Höhe dieser Ansprüche wird berechnet vom Ehebeginn bis zum Scheidungsantrag. Wenn Ehegatten also nur getrennt leben, müssen während dieser Zeit angesammelte Versorgungsausgleichsansprüche auch noch geteilt werden.

 

Abgesehen von Vorteilen und Nachteilen einer Trennung ohne Scheidung gibt es noch einen neutralen Punkt: das ist die Einkommenssteuer.

Wenn Ehegatten dauerhaft getrennt leben, können sie sich NICHT mehr gemeinsam zur günstigen Steuer veranlagen. Das Gesetz stellt dabei nur auf die Trennung ab. Ob später eine Scheidung erfolgt, ist dann nicht mehr relevant.