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Hier geht es um:

Sinnvolle Gestaltung beim Zugewinn
Gestaltung bei Immobilienbesitz
Gestaltung bei Unternehmensbesitz

 

Gestaltungsmöglichkeiten beim Zugewinn

Die Ehegatten müssen sich überlegen, ob der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft für sie tatsächlich der gewünschte ist. Der BGH hat immer wieder entschieden, dass gerade beim Zugewinn alles Gewünschte vereinbart werden kann.

Der gesetzliche Zugewinnausgleich ist aber insbesondere in folgenden zwei Fällen in der Regel von den Beteiligten nicht gewünscht: Immobilien und Firmenbesitz.

Unser Tipp: Umfassend informieren lohnt sich. Als Anwaltskanzlei für Eherecht stehen wir Ihnen bei allen Fragen jederzeit zur Verfügung.

 

Zugewinnausgleich: Gestaltung bei Immobilienbesitz

Immobilien, gerade im Ballungsraum München, unterliegen einer ungeheuren Wertsteigerung. In den letzten Jahren sind die Verkehrswerte der Grundstücke um durchschnittlich 10% jährlich gestiegen. Dies dürfte auch noch für das Münchner Umland (wenn auch mit Abstrichen) gelten.

Eine Immobilie, die heute 100€ wert ist, ist in einem Jahr schon 110€ wert. Egal, wie die Immobilie in das Eigentum eines der Ehegatten gelangte (schon vor der Ehe oder durch Erbschaft) muss der Wert der Immobilie nicht ausgeglichen werden, aber der Wertzuwachs. Dies mag nach einem Jahr noch nicht problematisch sein. Nach acht Jahren, bei der derzeitigen Wertsteigerung, hat sich der Wert der Immobilie verdoppelt. Wenn die Immobilie vorher 100 Wert war, ist sie nunmehr 200 Wert. Die Hälfte der Wertdifferenz, also 50, müsste ausgeglichen werden. Dies ist aber in den seltensten Fällen ohne den Verkauf der Immobilie zu stemmen.

Hier müssen sich die Ehegatten überlegen, ob eine Modifizierung der Zugewinngemeinschaft erfolgen soll. Dies kann z.B. dadurch erfolgen, dass der Gegenstand der Immobilie aus dem Zugewinn ausgeklammert wird. Es kann aber auch dadurch erfolgen, dass der Zugewinn z.B. für den Fall der Scheidung komplett ausgeschlossen wird.

Aber: dies alles trifft nur zu, wenn die Immobilie im Alleineigentum eines der Ehegatten steht. Haben beiden jeweils hälftigen Miteigentumsanteil, so trifft die Wertsteigerung beide. Somit ergibt sich kein unterschiedlicher Wertzuwachs beim Zugewinn. Somit wäre nichts auszugleichen.

 

Zugewinnausgleich: Gestaltung bei Unternehmensbesitz

Bei Unternehmen gilt für den Zugewinn etwas Ähnliches. Ein Ehegatte, der in der Ehezeit ein Unternehmen gründet und erfolgreich macht, hat beim Unternehmen für den Anfangswert einen Wert von Null.

Beim Endvermögen sieht dies anders aus. Die Firma ist wertvoll. Es ergeben sich dabei zwei Probleme. Zum einen die Frage: wie bewerte ich das Unternehmen? Hier bieten sich verschiedene wirtschaftsrechtliche Bewertungsverfahren an. Abzustellen ist dabei auf einen fiktiven Verkaufspreis, den der Inhaber erlösen könnte, wenn er die Firma verkauft.

Das mag bei einer großen Kapitalgesellschaft einfach sein. Bei einem Einzelunternehmen, bei dem das Unternehmen mit dem Inhaber steht und fällt, dürfte der Verkaufserlös wohl gering sein. Jedoch kann man sich zum Wert von Firmenanteilen äußerst ergiebig streiten. Dieser Streit ist im Zweifel nur mit einem Sachverständigengutachten lösbar. Dieses ist jedoch sehr teuer und dauert lange.

Es gibt noch ein zweites Problem bei den Unternehmensbeteiligungen. Wenn sich über die Unternehmensbeteiligung ein Zugewinn von 100€ ergibt, muss der Ausgleichsverpflichtete 50€ hiervon an den anderen Ehegatten ausgleichen. Im Ergebnis muss er die Hälfte des Wertes der Firma an den anderen abgeben. Dies ist aber in der Regel finanziell überhaupt nicht möglich, da die Firma ja nicht tatsächlich verkauft wird.

Auch bei Unternehmensbesitz müssen sich die Ehegatten daher darüber Gedanken machen, ob sie hier den gesetzlichen Zugewinnausgleich tatsächlich wollen oder nicht. Es bieten sich Gestaltungen an wie Herausnahme des Unternehmens aus dem Zugewinn oder Ausschluss des Zugewinns im Fall der Scheidung.

Allerdings ist die Entscheidung nicht immer ganz leicht. Warum soll z.B. eine Frau, die dem Ehemann den Rücken frei gehalten hat, damit dieser das Unternehmen aufbaut, nicht ebenso am Unternehmenswert partizipieren?