So ein Theater!

by Pfab Philipp / 30 Juni 2012 / No Comments

Ein Mann geht ins Lokal,
sucht die Dame seiner Wahl,
und mit Worten öd und schal,
bringt die selbige er zu Fall.
Und das geht so:

Wenn immer nur das Leben so vorhersehbar wäre, wie man es möchte. Manches wäre einfacher, manches nicht mehr das Leben.

Dies musste auch Herr Torben V. aus Hamburg feststellen. Er kaufte sich zwei Theaterkarten für das Theaterstück „Viel Lärm um Nichts“ von William Shakespeare. Der Regisseur, ein deutschlandweit bekannter Freigeist, inszenierte das Stück mehr frei als original: Statt dem Happy End mit einer Doppelhochzeit folgte das tragische Verscheiden eines Protagonisten. Oh Schreck!

Dieser Schreck war für Herrn Torben V. so groß, dass er das Theater verklagte. Ein Stück von Shakespeare müsste auch in der Umsetzung immer das Original bleiben, so meinte Herr Torben V. Das Gericht sah dies anders.

So muss schon einmal jeder geschriebene Text (auch das Original von Shakespeare) umgesetzt und damit inszeniert werden – abgesehen davon, dass der Text auch zuerst einmal übersetzt werden muss.

Es müsse daher, so meint das Gericht, nur noch untersucht werden, ob der Umfang der Inszenierung vorhersehbar war. In der deutschen Theaterwelt ist es jedoch üblich, die Protagonisten am Schluss des Stückes charakterverändert darzustellen. Daher seien auch der Ausfall zweier Hochzeiten und das Hinscheiden eines Protagonisten im Endeffekt vorhersehbar. So das Gericht.

Der Hamburger Torben V. muss also mit der Inszenierung leben.

Ich meine: Ach was Theater: das ist große Oper.

About the author:

RA Pfab ist seit 2002 Rechtsanwalt.
Als Fachanwalt für Familienrecht berät er vor allem zu Unterhalt und Vermögensauseinandersetzungen und Scheidungen.
Mit dem Fachanwaltskurs für Erbrecht ist er für Beratungen zum Erben gerüstet: vor einem Erbfall bei Gestaltungen (Testament) und nach einem Erbfall bei der sinnvollen Regelung des Nachlasses.